Das Laufen lernen wir ohne getragen zu werden und durch Hinfallen 

Alle Kinder kommen neugierig zur Welt

Ja, dass kannst Du bestimmt auch bestätigen.

Nehmen wir einfach das Beispiel „Laufen lernen“: wie goldig, diese ersten wackeligen Schritte von unseren Kleinsten, ein großer Schritt in der Kleinkind-Entwicklung, der Mama und Papa vor Stolz fast platzen lässt. Die Wonneproppen probieren auch zum 20. Mal noch ehrgeizig das Aufstehen, um noch mehr Schritte zu laufen. Und, ups, wieder auf dem „Boppes“ gelandet – macht nix – es wird gar nicht als Niederlage erkannt. Einfach wieder aufstehen und ab geht’s … Es wird von mal zu mal besser, Mama und Papa klatschen vor Freude Beifall und strahlen übers ganze Gesicht. Ähnlich ist es auch beim Sprechen der ersten Wörter gewesen oder bei den ersten Turm-Bau-Erfolgen und so weiter.

Und dann kommt die Schule. Der oft so genannte „Ernst des Lebens“.

Hier ein erster Gedanke von mir zu dieser Aussage: warum bereiten wir unsere liebsten Kleinen schon verbal darauf vor, dass Schule bedeutet: „Schluss mit lustig“?

Mittlerweile wurde es von vielen Lernforschern, Neurologen und Lernphilosophen bewiesen: Lernen fällt mit Spaß und Freude sehr leicht. Spaß öffnet tatsächlich alle Lernkanäle und lernen geschieht somit praktisch nebenbei.

Nach unseren Lernerfolgs-Trainings erhalten alle Eltern von uns eine schriftliche Zusammenfassung, was wir alles gemacht haben. Jedesmal aufs Neue sind wir selbst überrascht, wie viele Strategien wir anhand von verschiedenen Themen geschafft haben. Und das mit Kindern, die zuhause das Feedback geben:“ … wir haben nur gespielt und ganz viel gelacht …“ Oft begleitet mit den ersten deutlich besseren Noten. Ja, das liegt definitiv daran, dass wir großen Wert auf die Freude beim Lernen legen.

Erst vor kurzem hatten wir wieder ein Lernerfolgs-Training für Auszubildende in einer großen Firma.

Diese Blicke der Jugendlichen am Anfang bei unseren Eröffnungsworten: „Lernen macht Spaß und wenn es das nicht macht, macht es unserer Meinung nach keinen Sinn“.

Keine und keiner dieser 26 Azubis strahlte uns bejahend an. Ganz im Gegenteil reagierten sie mit diesem „Blick wie ein Auto“ und mit verschränkten Armen, was so ziemlich das Gegenteil zeigte. Okay unser Ehrgeiz war geweckt, denn unser Ziel steht bei jedem Training vorher fest: jede und jeder weiß nach dem Training wie einfach der Lernerfolg ist.

Die Abschieds-Feedbackrunde zeigte, dass wir unser Ziel erreicht hatten. Die Jugendlichen waren wahnsinnig beeindruckt und wir blickten in ausschließlich überzeugte, geflashte und strahlende Gesichter. Ein wenig erschreckend die einstimmige Aussage von allen: „ich/wir kannten vorher keine einzige Strategie von denen, die ihr uns gezeigt habt!“.

Gerne füge ich hier ein Video ein, dass uns von einem Azubi zur Verfügung gestellt wurde. Klar, es ist, nachdem es später und separat sowie „gestellt“ aufgenommen wurde, etwas „gebremster“ als in der Original-Ausgabe in der Dennis sagte:“ …. boah, war das geil, das war so geil … Am Anfang habe ich mir gedacht, ich kack total ab, weil ich mir nichts merken kann. Ihr habt mir gezeigt, wie unglaublich viel ich mir auf Dauer merken kann …. Ganz großes Dankeschön ….“.

 

 

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Also, das bedeutet, ich wünsche mir, dass wir den Kindern nicht vermitteln, dass Schule schwer, anstrengend und ernst ist, sondern, dass Lernen leicht ist und Spaß macht. Toll, wenn alle Lehrerinnen und Lehrer das auch in der Schule entsprechend leben.

Eine liebe Bekannte hat einmal zu einem Kind, welches vom Kindergarten in die Schule kam, einen Satz gesagt, den ich richtig klasse fand und finde: “ ….. Wow, wenn Du den Kindergarten geschafft hast, dann hast Du das Schwerste hinter dir, alles andere wird babyleicht…..“

Zurück zum Laufen lernen.

Wie unterstützen wir unsere Kinder beim Laufen? Wir reichen ihnen die Hand, fangen sie auf und wenn sie die Hand energisch ablehnen, dann nehmen wir das wahr und sind stolz, dass unser Kind es alleine schaffen mag. Tatsächlich erkennen wir, dass sie es ganz alleine sogar noch schneller schaffen. Diese „Boppes-Plumpser“ halten sie jedenfalls nicht davon ab – ganz im Gegenteil: der Ehrgeiz ist geweckt.

Warum machen wir es dann in der Schule anders?

Hast du deinem Kind erklärt, wie es einfach laufen kann? Wie die Füße – einer vor den anderen gesetzt wird? Wie die Knie abgewinkelt werden dürfen? Wie es vermeidet zu stolpern?

Nein, oder?

Dieses Verhalten dürfen wir alle beibehalten.

Kinder wachsen durch Erfahrungen, die sie selbst machen.

Manchmal auch durch Probleme und ja, auch durch negative Emotionen.

Mir fällt gerade wieder eine klassische Situation ein: jedes Kleinkind beobachtet alles um sich herum. Wie es Mama und Papa sowie alle Erwachsenen machen – es lernt durch Imitieren.

Und da fühlt es sich jetzt soweit, ein Glas Wasser selbst einzuschenken. Es greift in Richtung Wasserflasche. Seine Mama ist schnell mit den Worten zur Stelle: “ …. komm ich mach das mal, bevor du alles verschüttest….“ Dabei nimmt sie dem Kind das Glas aus der Hand und schenkt ihm aus der Wasserflasche ein.

Ja, auch das passiert aus Liebe und Fürsorge. Es ist auch nur ein ganz kleines Beispiel, wie wir – unbewusst – unsere Kleinen beim Entwickeln zurück halten.

Was hat das mit Lernen und Schule zu tun?

Wir erleben immer wieder, dass Eltern Aussagen treffen in Form von „wir müssen noch für Mathe lernen“, „… uns ist die letzte Latein-Klausur schwer gefallen …“ oder „… dieses Jahr dürfen wir uns deutlich verbessern…“

Den Lern- und Azubi-Coachs, die wir ausbilden, empfehlen wir auf die Worte zu achten. Sprechen Eltern von „uns und wir“ zeigt das schon, wie nah sich Eltern und Kind stehen. Oft haben wir den Eindruck, Eltern fiebern noch viel mehr der guten Note entgegen, als ihre Kinder. Dabei waren doch die Eltern schon in der Schule und haben diese sehr oft ganz selbständig geschafft. Sehr häufig hatten die eigenen Eltern gar keine Zeit, um ihre Sprösslinge so zu unterstützen, wie wir es heute machen.

Das bedeutet, dass Eltern heute genau wissen, wann welche Klausur geschrieben wird. Sie erinnern ihr Kind, wann und wie es mit dem Lernen beginnen soll, welcher Umfang vonnöten ist und ob es für die Klausur ausreichend ist oder nicht.

Klar, dass alles, um nur das Beste für den Nachwuchs zu wollen, Enttäuschungen abzuwenden und den schlimmsten Fall, das Sitzenbleiben, zu vermeiden.

Das ist sehr behütend, sehr liebevoll und falsch. Eltern klagen uns ihr Leid sehr häufig mit den Worten:“….. ich muss sie/ihn immer motivieren mit dem Lernen zu beginnen, es fehlt auch völlig die Planung geschweige denn, passende Lernstrategien ….“

Nur, warum sollen die Kinder selbständig anfangen zu lernen?

Mama und Papa haben den Plan doch im Kopf und sagen Bescheid, wenn sie loslegen sollen. Ja, oft gibt es auch laute Stimmen, weil sie/er wieder nicht von selbst darauf gekommen ist, mit dem Lernen zu beginnen. Und ja, auch das gehört dazu, ist normal. Es gibt gar keine Notwendigkeit irgendetwas zu ändern. Warum auch? Und eines ist an dieser Stelle sehr wichtig: unsere Kinder werden nicht aus Faulheit oder Bequemlichkeit (oder Streitsucht) nicht aktiv. Sondern aufgrund des doch super funktionierenden „Mama-Papa-Denken-Dran-Programmes“. Und das passiert noch nicht mal absichtlich und bewusst – nein, völlig unbewusst.

3Wenn es bei Dir so ist, dann gibt es eine Empfehlung für Dich: übergib die Verantwortung und schenke Vertrauen.

Das bedeutet, dass du deinem Kind klar machst, dass es ganz alleine für die Schule verantwortlich ist. Wenn es Hilfe benötigt bist du gerne da und beantwortest die Fragen. Ansonsten nicht. Du sagst nicht wann, nicht wie, nicht wie intensiv …. gelernt wird. Und du fragst dein Kind auch nicht ab, wenn es das nicht selbständig einfordert. Ganz wichtig an dieser Stelle: angenommen, die erste Note nach diesem „Loslassen“ ist schlecht – zum Beispiel mangelhaft oder ungenügend – dann lass weiter los! Gerade dann ist es wichtig, dass dein Kind es alleine aus dem „Quark“ heraus schafft. Was glaubst, was das für ein Erfolg ist, wenn es dein Kind ganz alleine schafft.

Das ist nämlich einer der Gründe, warum es so extrem wichtig ist, loszulassen. Die Erfolge, die dein Kind mit deiner Hilfe hat, sind nie seine eigenen geschafften Erfolge und wirken deswegen auch deutlich schwächer, wenn überhaupt. Und dabei sind die Erfolge so immens wichtig. Erfolge kurbeln die „Glückshormone-Ausschüttung“ extrem an und lösen zudem Motivation aus. Intrinsische Motivation – die wichtigste Form der Motivation.

Und völlig klar und absolut in Ordnung: wenn dein Kind deine Unterstützung anfragt oder dich bittet, dass du es abfragst, dann mache es gerne. Der Unterschied ist, dass dein Kind die Hilfe selbst einfordert. Das führt auch zu selbständigem und selbstbewussten Verhalten.

Es gibt noch zwei positive Effekte durch dein Loslassen.

Dein Kind spürt, dass du ihm die eigenen Erfolge zutraust. Das du absolut an dein Kind glaubst und – meiner Meinung noch viel wichtiger – das du ihm vertraust.

Klingt das sehr hart für dich oder würdest du jetzt gerne sagen, dass du deinem Kind vertraust – auch, wenn du es gerne immer unterstützt?

Glaub mir, ich kenne diese Gefühle nur zu gut. Sehr gerne hätte ich damals sogar die Klausuren für Maxi geschrieben. Ich hätte ihm am allerliebsten jeglichen Stress erspart. Und doch, als ich für mich klar hatte, dass der Schlüssel der Selbständigkeit das Loslassen ist, war mir klar, dass ich diejenige bin, die ihn zurück und klein hält.

Gerne erzähle ich an dieser Stelle zwei selbst erlebte Geschichten mit meinem Junior.

Er hatte sich angewöhnt, abends immer mal wieder zu fragen: „Darf ich schummeln?“ Das bedeutete übersetzt: „Darf ich ohne Zähneputzen ins Bett“ …

Tja und da kam dann meine „Mama-Überzeugungs-Tatsachen-Welle“ und die ging über Karius und Baktus, über die Zahnfee bis hin zu Zahnarztbesuch & Co. Ich habe mir praktisch den Mund fusselig geredet, um meinen Junior vom Zähneputzen zu überzeugen. Hat meistens funktioniert – allerdings oft mit Diskussionen, Murren und „och bitte, Mama“. Irgendwann war es so weit und ich dachte mir, was mache ich da eigentlich immer und, vor allem, immer wieder. Obwohl ich mir doch die gefühlt beste Überzeugungs-Strategie zurecht gelegt und oft geäußert hatte, kam diese Frage immer wieder. Also beschloss ich, in diesem Fall – zumindest erstmal testweise 😉 – die Verantwortung abzugeben. Gesagt – getan. Als Maxi wieder einmal kam und fragte: „… Mama, darf ich schummeln?“ antwortete ich ihm: „Entscheide selbst, es sind ja Deine Zähne“. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern und das Ergebnis war zuerst ein erschrockenes Gesicht und dann … na, du glaubst es kaum, Zähneputzen. Die Frage kam noch ein paar mal und irgendwann nicht mehr. Auch meine Antwort ändert sich nie.

3Also ein Tipp an Dich: Übergib die Verantwortung an dein Kind und schenke ihm somit auch Vertrauen.

Und es ist zumindest auch bei solchen Themen wie Zähneputzen mal einen Test wert, oder?

Beim Thema Schule finde ich das Ganze allerdings elementar wichtig. Wie versprochen hier noch eine zweite, selbst erlebte Geschichte ;-):

Also, Maxi war, glaube ich, in der dritten oder vierten Klasse. Er beschwerte sich, wie des öfteren über die für ihn so empfundenen sinnlosen Hausaufgaben. Ja, auch hier war ich als Mama wieder schnell in der Rolle der Überzeugerin. Ich habe mir wieder eine zeitlang den Mund fusselig geredet, dass Hausaufgaben total sinnvoll sind, weil diese eine Übung bedeuten. Somit lernst du viel schneller und dein Wissennetz wird sozusagen automatisch größer im Gehirn … bla, bla, bla. Da „the same procedure every day“ mir langsam zu viel wurde – okay nicht jeden Tag und gefühlt zu oft, beschloss ich auch hier die Verantwortung abzugeben. Ich sagte Maxi, als er sich wieder über die Hausaufgaben beschwerte, in sehr verständnisvollem Ton: „oh, okay, wenn du die Hausaufgaben als nervig und überflüssig empfindest, dann ist das so. Packe jetzt deine Hefte in den Schulranzen und nenne deine Gründe für die nicht gemachten Hausaufgaben morgen deiner Lehrerin. Es ist bestimmt wichtig, dass sie dein Feedback hört…..“

Was glaubst du, hat Maxi gemacht?

Er hat die Hefte nicht eingepackt, sondern – okay, noch mit anfänglichem Grummeln – die Hausaufgaben selbständig durchgezogen.

Das interessante an meinem Verhalten und der Reaktion von Maxi war, dass ich es als erstes als schwer empfunden habe. Es wurde dann allerdings eine der größten Erleichterungen – für uns beide.

3Und zum Thema Hausaufgaben habe ich noch einen Tipp für dich:

Wenn dein Kind zu den Kandidaten gehört, die schon, bevor sie das Heft aufgeschlagen haben, mit dem Nörgeln „… oh ne, das kann ich nicht…“ oder ähnlichem beginnen, frage Dich:

„Was ist die positive Absicht hinter diesem Verhalten deines Kindes?“.

Wenn dir das klar ist, kannst Du es ganz einfach ändern. Hier steckt sozusagen der Schlüssel zur Lösung dieser Situation (und auch vieler anderen Situationen ;-)!).

Dieses Verhalten tritt bei sehr vielen Familien auf, vermehrt sogar bei Geschwisterkindern.

Warum? Was ist die Absicht hinter dem Gegrummel?

Ganz einfach: die Kinder wollen die Aufmerksamkeit ihrer Mutter oder ihres Vaters. Durch das Genörgel setzen sich Mama und/oder Papa mit zu den Hausaufgaben und sind ganz beim Kind. Und dabei ist es völlig egal, ob es dann von Mama (oder Papa) auch mal Geschimpfe gibt. Das ist ja auch Aufmerksamkeit – nicht so lustig und trotzdem sitzen sie ja beim Kind.

So, wenn du nun weißt, dass dein Kind deine Aufmerksamkeit möchte, dann gib sie ihm bitte in einem anderen positiven Kontext. Das heißt, auf der einen Seite sagst du deinem Kind, dass es selbst für die Hausaufgaben verantwortlich ist und du bei Fragen natürlich immer gerne da bist.

3Und hier eine Randnotiz für dich:

Wenn dein Kind an dich eine Frage hat, dann beantworte bitte nur diese Frage. Auch wenn dir noch viel mehr zu dem Thema einfällt, was du auch total wichtig findest! Dein Kind darf es selbst erfragen, herausfinden und erforschen. Sei stolz darauf, wenn es Dinge völlig alleine herausfindet => das sind geniale Erfolge für dein Kind.

So, jetzt macht dein Kind die Hausaufgaben selbständig, bekommt deine Aufmerksamkeit nicht mehr bei den Hausaufgaben und jetzt? Ganz wichtig: wenn Du die „positive Absicht“ erkennst, darf dir klar sein, wenn du die Erfüllung dieser Absicht entfernst, um das unangenehme Verhalten zu ändern, dann darfst du das Ziel – also die positive Absicht -, die dein Kind hatte, auf andere Art und Weise befriedigen.

Wenn es zum Beispiel um die Aufmerksamkeit geht, wie in unserem Hausaufgaben-Beispiel, dann vereinbare mit deinem Kind etwa, dass es seine Hausaufgaben selbständig macht, du in der Zwischenzeit einiges erledigst und ihr beide dann nachher gemeinsam etwas Schönes macht. Völlig unabhängig von Hausaufgaben und Schule und in einem positiven Kontext. Das entspannt enorm und parallel wächst das Selbstvertrauen und die Selbständigkeit deines Kindes.

Es fallen mir wahnsinnig viele Erlebnisse aus Trainings und Coachings ein und davon erzähle ich dir gerne noch eines.

Eva, ein 12-jähriges total pfiffiges Mädchen war bei uns im Wissen-Staubsauger (=Lernerfolgs-Training). Anfangs war sie sehr schüchtern und sagte sehr häufig „… da bin ich nicht schlau genug für…“, „… das kann ich nicht …“, „… das schaffe ich nicht …“. Doch im Laufe der Treffen blühte sie regelrecht auf. Bei einer ganz speziellen Strategie (auf die ich in einem späteren Kapitel komme) strahlte sie über das ganze Gesicht und sagte: „Ich bin der Burner“. Ein Gefühlserlebnis für mich, dass ich so gar nicht in Worte fassen kann.

Was ich dir allerdings erzählen möchte, kam im Eltern-Gespräch zum Abschluss. Es war ein Eltern-Gespräch, bei dem die ganze Familie mit anwesend war: Mama, Papa, Eva und ihr jüngerer Bruder. Wir erzählten den Eltern, wie toll Eva mitgemacht hatte, welcher Lerntyp sie ist, wie sie deutlich selbständiger geworden ist und so weiter. Unser Bitte an die Eltern: unterstützen sie bitte die Selbständigkeit von Eva. Der Vater reagierte ziemlich klar und deutlich mit den Worten: „Eva kann nicht selbständig lernen. Das haben wir einmal versucht – in Religion – weil da geht es ja um nix. Und was ist passiert? Sie hat eine fünf geschrieben. So bekommt sie nie und nimmer eine Lehrstelle, so landet sie doch eindeutig auf der Straße …. und somit habe ich und meine Frau wieder mit ihr gelernt, ihr den Lernplan zusammengestellt, sie abgefragt und so weiter….“.

Ich sagte Evas Vater dann: „….gerade als die schlechte Note kam wäre es wichtig gewesen, dass Eva es ganz alleine schafft. Nur daran kann sie wachsen.“

Evas Mutter antwortete: „Mir gefällt, was die Dame sagt“ – diese Aussage weiß ich noch ganz genau, weil ich innerlich über das Wort „Dame“ so schmunzelte – und sie führte fort, dass sie das auch absolut nachvollziehen könnte. Dann berichtete sie uns, dass sie, wenn in ihrer Firma ein Betriebsausflug anstehen würde, sie erstmal die Termine im „Klausuren-/Test-Plan“ ihrer Tochter kontrollieren müsse. Denn, würde ein Test anstehen, dann könne sie bisher nicht mit zum Betriebsausflug fahren ….. usw.“

Mein Entsetzen war mir sicherlich ins Gesicht geschrieben. Das geht in meinem Empfinden überhaupt nicht. Und ich war mir 1000%ig sicher, dass Eva absolut die Verantwortung übernehmen konnte und auch mit den vielen Lernstrategien, die sie im Training erfahren hatte, super zurecht käme.

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Was will ich dir damit sagen?

 

 

1.) Nimm deinem Kind nicht alles ab.

Selbstvertrauen wächst, wenn dein Kind den Erfolg oder auch den Misserfolg seiner Aktionen selbst erfahren darf und lernt so, mit Fehlern umzugehen. Auch kleine Probleme zu meistern gehört dazu und natürlich auch, mehrere Versuche, bis etwas gelingt.

2.) Akzeptiere negative Emotionen und noch viel wichtiger: nimm sie und dein Kind ernst.

Schaffe eine gute Gesprächsbasis, indem du deinem verärgerten, gefrusteten Kind einfach zuhörst. Versucht gemeinsam, dem bestehenden Problem auf den Grund zu gehen. Durch dieses Erleben von negativen Emotionen und Problemen, lernt dein Kind, auch mit diesen Gefühlen umzugehen. Zusätzlich bekommt es ein besseres Verständnis für die eigene Gefühlswelt und somit kann es auch deutlich besser mit den Gefühlen anderer Menschen umgehen.

3.) Lobe oft und gerne.

Lobe dein Kind bitte nicht nur für gute Leistungen, gute Noten oder weil es besonders brav war, denn so entsteht schnell das Gefühl, dass dein Kind nur liebenswert ist, wenn es hervorragende Leistungen bringt. Lobe dein Kind zusätzlich für Mut, wenn es dadurch zum Beispiel etwas Neues erfahren hat. Schenke ihm Anerkennung für wiedeholende Anstrengung, fürs Dranbleiben und das völlig egal vom Ergebnis. Steigere das Selbstwertgefühl bei deinem Kind, durch das Lob für tolles Verhalten, Ehrgeiz und Vertrauen, dass du ihm schenken kannst und so weiter.

4.) Rituale und Regeln erleichtern das Leben.

Für manche klingt das streng und es wirkt so positiv. Gib deinem Kind klare Regeln und es findet dadurch den nötigen Halt. Kinder müssen und dürfen Grenzen erfahren – sie kennen sie erstmal nicht. Sie erfahren sie und das darf gerne ohne Strenge sein. Dein Kind darf Grenzen erfahren und sich an Regeln halten.

Beispiele sind: Spiele werden fertig gespielt, bevor etwas anderes gemacht wird. Umgangsformen, wie zum Beispiel das Begrüßen, Bitte und Danke. Und denke daran: Kinder schauen sich alles ab :-) – sei ein gutes Vorbild und halte dich selbst an die aufgestellten Regeln. Dann ist es auch für dein Kind ein leichtes, die Regeln einzuhalten.

Ich freue mich sehr, wenn du mir deine Meinung zu diesem Kapitel im Kommentar hinterlässt und vor allem, wenn du diese Tipps erfolgreich umsetzt.

Von Herzen wünsche ich dir und deinen Lieben, dass ihr ganz viel positive Effekte erntet.

Herzliche Grüße

deine

Alexandra

 

 

 

 

 

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alexandra Verfasst von:

4 Kommentare

    • alexandra
      Dezember 30, 2015
      Antworten

      Dankeschön, liebe Heike. Das machen wir :-) – mit diesem Buch, in unseren Schulvorträgen, Ausbildungen zum Lerncoach und AZUBI-Coach Advanced, Eltern-Seminaren, Lernerfolgs-Trainings ….. Und es geben bestimmt auch viele weiter …:-)

  1. Katja Kunz
    Januar 4, 2016
    Antworten

    Wieder ein schönes Kapitel. Ich werde es Euer Buch wärmstens meinen Freundinnen empfehlen, sobald es draussen ist!

  2. alexandraaldinger
    Januar 9, 2016
    Antworten

    Dankeschön, liebe Katja, das freut mich sehr!

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